Timing is everything

Es ist halb zwei Uhr morgens. Ein selig in seiner Box schlummernder Welpe. Ein betagter Rüde, der JETZT SOFORT nach draußen möchte. Natürlich wacht der Welpling davon auf, stimmt ein ohrenbetäubendes Wolfsgeheul an und möchte ebenfalls HINAUS – JETZT SOFORT. Unbedingt! Weil? Es ist halt ganz dringend und gepieselt hat er ja erst vor zwei Stunden. Nein, wir sind nicht zu Hause, sondern auf einem Campingplatz in Holland und übernachten in einer Treckinghütte. Also raus aus dem Bett, rein in die Gummistiefel, Luke raus, Tweed raus. Während Luke einfach um die nächste Ecke biegt und in der Dunkelheit verschwindet, heftet sich Tweed an die Fersen der Mitbewohnerin – die auch zur Toilette will. Zwei Hunde – zwei Richtungen. Da stehe ich nun, lediglich im T-Shirt und in Gummistiefeln und muss die Verfolgung aufnehmen. Der alte Mann hört schlecht bzw. nur selektiv,  der Welpe hört gut, folgt aber (heute Nacht) nicht. Der findet es nämlich wesentlich spannender auf Erkundungstour zu gehen und denkt nicht im Traum daran, zurück zur Hütte zu kommen. So ein bisschen Adrenalin schadet zu dieser nachtschlafenden Zeit ja nichts und ich bin versucht, den beiden einfach hinterherzurufen. Sicherheitshalber schaltet sich mein Unterbewußtsein ein. Das signalisiert mir, dass es weder gut ankommt, dem entschwindenden Welpen hinterherzubrüllen, noch dass ich ein gutes Bild in der Öffentlichkeit abgeben werde. So wie ich da stehe, mitten in der kalten und feuchten Nacht. Lächerlich in einem T-Shirt und unbesockt in Gummistiefeln. Netterweise taucht Luke kurz darauf aus der richtigen Richtung wieder auf. Ich schnappe ihn am Halsband. Der fasst das jedoch als Anschlag auf Leib und Leben auf, jault entsetzt auf und will erst einmal nicht weitergehen. Ich rechne damit, die ersten Lichter der Nachbarshütten aufleuchten zu sehen … Auch die Mitbewohnerin ist wieder da. Vom gegenüberliegenden Ende der Wiese kommt ein begeisterter Welpe herangestürmt – dem leisen Zuruf promt folgend. Der Kleine wirft sich übermütig in meine Arme und tut, als hätte er mich Jahre nicht gesehen.

Gemeinsam machen wir uns auf den Rückweg. Ist es nicht schön, so einen kuschligen, einem über das ganze Gesicht leckenden und vollends glücklichen Welpen im Arm zu halten? Ich kann mir kaum Besseres vorstellen.

Ach ja, der Rest der Nacht ist ruhig verlaufen ist 😀

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  1. Ach das mit den Senioren kommt mir bekannt vor: Gerne legt man sich dann nachts auch in den Garten, wenn`s nicht zu kalt ist und macht ein Nickerchen, weil man vergessen hat, dass man ja nur schnell raus wollte… dann im T-Shirt und Gartenschlappen raus und den Hund aufwecken…

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