Information ist ≠ Wissen

Gelegentlich sehe ich mich auf den Seiten
von „professionellen“ Hundeausbildern um.

Eine wahre Begeisterung scheint es für Referenzlisten zu geben. Wer war
wann wo und hat bei welchem Trainer welches Seminar besucht. Es liest
sich wie das „who is who“ der Hundeausbildung. Leider sagt die Teilnahme
nur in den wenigsten Fällen etwas über die Qualifikation des Trainers aus,
der dieses Seminar besucht hat. Scheinbar hat diese Aneinandereihung von
famosen Namen viel mehr den Zweck, potentiellen Kunden die vage Illusion
von Wissen zu vermitteln.

Tja, Papier ist geduldig und ebenso verhält es sich mit Blogs und Homepages.
Und so werden die Weisheiten von anderen zum Besten gegeben, oftmals einfach
nachgeplappert und sich nicht die Mühe machend, den Dingen auf den Grund
zu gehen.

Meine persönliche Erfahrung (nach über 35 Jahren Hundesport und Training) ist,
dass es nicht ausreicht, sich lediglich Basiswissen zu verschaffen. Es reicht nicht,
in andere Sportarten hinein zu schnuppern, wenn man Wissen vermitteln will.
Es reicht nicht, zu glauben, dass ein einmaliger Besuch eines Seminares bei einem
Weltklassetrainer einen dazu befähigt, dessen Methodik zu verstehen oder sie an
andere weitergeben zu können. Und es ist bestimmt nicht ausreichend, als ein
Seminar-Jumper von Seminar zu Seminar zu hüpfen. Wer Agility ausbilden will,
muss Agility machen, er muss an Wettkämpfen teilnehmen, der muss wissen, wie
sich das anfühlt. Wer seinen Border Collie an Schafen arbeiten möchte, braucht
dazu nicht nur den Hund, sondern auch Schafe. Er MUSS von Schafen ebenso viel
verstehen, wie von Hunden. Hundeausbildung funktioniert nicht durch Handauflegen,
Hundeausbildung funktioniert nur, wenn man sie selber macht.

Hundeausbildung ist unglaublich komplex.

Damit aus Information Wissen wird, welches man weitergeben kann, müssen diese
Informationen zuerst analysiert, organisiert, aufbereitet und letztlich vermittelt
werden. Dass man dazu nicht lehrbuchmäßig vorgehen muss, ist klar. Allerdings
braucht man dazu Erfahrung – viel Erfahrung um genauer zu sein.

Beim Hundetraining ist es wichtig, einen Hund in seiner Gesamtheit zu beurteilen,
zu sehen, wie sein ganzer Körper zusammenarbeitet. Bewegungsabläufe, Körperbau,
Alter und Ausbildungsstand geben uns Hinweise auf adäquates Training. Fanatisch
durchgesetzte Dogmen sind in der Regel als gesundheitsbeeinträchtigend für den
Hund einzustufen.

Hundeausbildung ist flexibel.

Das absolut wunderbare an Hunden ist, dass sie nicht nach Bedienungsanleitungen
funktionieren. Jeder Hund ist anders und viele Wege führen nach Rom. Jeder Hund
hat seine eigene Persönlichkeit, seine genetische Disposition. Es kann also nie einen
Masterplan für DAS Hundetraining geben.

Der Hund muss sich wohlfühlen.

Wissen kann nur derjenige vermitteln, der tiefer in eine Materie eingestiegen ist.
Nur wer sich eingehend mit der Methodik anderer Trainer beschäftigt und aus-
einandergesetzt und deren Systeme verstanden hat, als sie einfach nur zu spiegeln,
kann dieses Wissen sinnvoll weitergeben. Jeder Hund ist anders und jeder Hund
schreibt sein eigenes Trainingsbuch. Es sind die winzigen Teile im Zusammenspiel,
auf die es ankommt. Man kann jedes Teilchen an sich separat betrachten, doch nur
in Beziehung zueinander ergibt sich das gesamte Bild.
Selbstverständlich gibt es allgemeingültige Regeln der Verhaltensbiologie, dennoch
muss stets die Individualität des Hundes berücksichtigt werden. Individuelle Förderung
heißt das  Zauberwort. Ideologischer Einheitsbrei  – jeder Trainer kann alles – wird
uns auch in Zukunft nicht weiterbringen.

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